Bewegungswesen

Der Mensch ist ein Bewe­gungs­we­sen. Er ist dafür geschaf­fen, um nahezu unun­ter­bro­chen mit wech­seln­den Inten­si­tä­ten, in Bewe­gung zu sein. Dies wird all­ge­mein aner­kannt. Würde es auch ver­in­ner­licht und gelebt wer­den, lie­ßen sich viele indi­vi­du­elle und soziale Pro­bleme der heu­ti­gen Zeit auf jeweils spe­zi­elle Art mit ent­spre­chend dosier­ter Bewe­gung lösen und gar nicht erst auf­tre­ten. Es ist heut­zu­tage kei­nes­falls ein sport­li­ches Phä­no­men die Extreme zu bevor­zu­gen. Das von KUHN als Par­al­le­li­tät bezeich­nete Phä­no­men ist in den unter­schied­lichs­ten Berei­chen zu beob­ach­ten: Medi­zin, Ernäh­rung, Luxus und Armut, Tou­ris­mus, alle Berei­che des Lebens, selbst die Wis­sen­schaf­ten (KUHN 1.3 und 1.6) sind der­zeit von Extre­men und den ent­spre­chen­den Effek­ten geprägt. Aber am Bei­spiel des Sports wer­den die Aus­wir­kun­gen beson­ders deut­lich. Es steht außer Frage, dass zu wenig Bewe­gung nicht gut für den Kör­per ist. Aber auch zu viel Bewe­gung hat nega­tive Aus­wir­kun­gen. Doch genau hier bewegt sich der Extrem– und Leis­tungs­sport. Denn wäh­rend zu wenig Bewe­gung sich schnell nega­tiv sicht­bar äußert, sind die Aus­wir­kun­gen des ande­ren Extrems kurz– bis mit­tel­fris­tig betrach­tet eher posi­tiv. Ein durch­trai­nier­ter Kör­per gilt als attrak­tiv. Die spür– und sicht­ba­ren nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen ver­schie­ben sich, nicht zuletzt auf­grund der hohen Anpas­sungs­fä­hig­keit des mensch­li­chen Kör­pers, eher auf einen Zeit­punkt, der je nach Inten­si­tät der Belas­tung Tage, Wochen oder Jahre nach Reiz­set­zung lie­gen kann. Oft­mals wer­den diese Effekte gar nicht mehr in Zusam­men­hang mit den Rei­zen gese­hen und schei­nen aus dem Nichts zu kom­men. Der Kör­per ist dann nicht mehr so belast­bar, er ist müde, von Ver­schleiß­er­schei­nun­gen geprägt oder er stellt ein­fach ein paar Jahre frü­her sei­nen Dienst ein.

Das Wis­sen um die Art der Durch­füh­rung von leis­tungs­un­ab­hän­gi­ger und lang­fris­tig der Gesund­heit för­der­li­cher Bewe­gung ist seit Jahr­tau­sen­den bekannt (Yoga, Pila­tes, Qigong etc.). Es wird nur nicht mehr auf brei­ter Basis ver­mit­telt, nicht bewor­ben und ist daher fast ver­lo­ren gegan­gen. Dabei las­sen sich Men­schen ohne gro­ßen Auf­wand in Bewe­gung brin­gen. Ich denke dabei an mehr natür­li­che Bewe­gungs­räume in sozia­len Brenn­punk­ten, neu gestal­tete Kin­der­spiel­plätze, offene Trainings-‚Spiel‘-Plätze für Erwach­sene, kos­ten­lose Leih­fahr­rä­der (z.B. mög­lich in Kopen­ha­gen), Bewe­gungs­auf­for­de­run­gen bzw. –alter­na­ti­ven auf öffent­li­chen Plät­zen, in Büro­ge­bäu­den, Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten. Sol­che Vor­ha­ben sind nicht immer mit einem direk­tem finan­zi­el­lem Gewinn ver­bun­den. Sie müs­sen gespon­sert, finan­ziert oder ehren­amt­lich betreut wer­den. Wür­den sie aus­schließ­lich von der Kauf­kraft abhän­gig gemacht wer­den (wie in Fitness-Clubs), kön­nen sie mit dem Aus­schluss– und Selek­ti­ons­kri­te­rium ‚Geld‘ nur schwer ihre ganze Wir­kung ent­fal­ten. Der Ein­stieg in die lang­fris­tig aus­ge­legte Ver­än­de­rung der Betrach­tung von Bewe­gung kann mei­nes Erach­tens nur über die Schule (für die Her­an­wach­sen­den) und andere öffent­li­che Ein­rich­tun­gen (für Erwach­sene, die nicht Mit­glied in einem Club sind) in Zusam­men­ar­beit mit aus­ge­wähl­ten kom­mer­zi­el­len Anbie­tern (für Erwach­sene, die Mit­glied in einem Club sind) erfolg­reich initi­iert wer­den. Sie muss bei jedem Men­schen ein­zeln anset­zen. Die Ver­mitt­lung kann aber nach mei­ner Ansicht nur schei­tern, wenn sie Leis­tun­gen abver­langt, die ver­gli­chen oder bewer­tet wer­den kön­nen.  (vgl. CHIA: Tao Yoga)

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