Vorwort

Die Sport­wis­sen­schaft hat Recht­fer­ti­gungs­pro­bleme, der Sport­un­ter­richt in den Schu­len wird immer mehr gekürzt. Woran liegt das? Offen­sicht­lich gibt es große Schwie­rig­kei­ten bei der Umset­zung und sinn­vol­len Akti­vie­rung vor­han­de­nen Wis­sens der Berei­che Gesund­heit und Bewe­gung. Nach meh­re­ren Jah­ren des pra­xis­be­glei­te­ten Stu­di­ums glaube ich, den Grün­den hier­für näher gekom­men zu sein. Die aktu­ell gül­tige, all­ge­mein aner­kannte Defi­ni­tion von Sport ist nicht dafür geeig­net, den Men­schen das Wis­sen zu ver­mit­teln, dass sie für ein lan­ges und gesun­des Leben benö­ti­gen. Es ist ein altes, funk­tio­nie­ren­des Wis­sen, dass durch ein angeb­lich bes­se­res und mit moder­nen Mar­ke­ting–Metho­den ver­mit­tel­tem Trend-Wissen über­la­gert wird. In den Medien las­sen sich dafür nahezu täg­lich Bei­spiele fin­den. Die aktu­elle Dis­kus­sion um die Ein­rich­tung einer Jugend-Olympiade ist nur eins davon. Eine sol­che Olym­piade rich­tet das Augen­merk auf Ergeb­nisse in hoch spe­zia­li­sier­ten Dis­zi­pli­nen (Quan­ti­tät) und lie­fert damit Signale für den Groß­teil der Jugend: „Ich bin nicht dabei, ich bin zu schlecht…“ (u.a. Attri­bu­ti­ons­theo­rie: Ziel­er­rei­chungs­dis­kre­panz zu hoch). Ich werde auf diese Mecha­nis­men in mei­ner Arbeit mehr­fach Bezug neh­men und sie erläu­tern. Letzt­end­lich pral­len in den unter­schied­lichs­ten Lebens­be­rei­chen mensch­li­che Ent­wick­lung und wirt­schaft­li­che Ver­wert­bar­keit auf­ein­an­der. Erst­mals kön­nen Kin­der ohne das für die Gesund­heit not­wen­dige Mini­mum an Bewe­gung auf­wach­sen. Ein funk­ti­ons­fä­hi­ger, für ein erfüll­tes Leben not­wen­di­ger Kör­per ist nicht mehr selbst­ver­ständ­lich. Es liegt in der Ver­ant­wor­tung der Eltern, direkt und indi­rekt Erzie­hen­den, die Kin­der und Jugend­li­chen auf einen Weg zu brin­gen, der zu einem Kör­per und einer Ein­stel­lung ver­hilft, der ihnen ein Leben ermög­licht, wel­ches sie sich als Erwach­sene wün­schen könn­ten. Oder anders for­mu­liert: Einen Weg, der die Kin­der in einem Kör­per (inkl. Geist und Seele) her­an­wach­sen lässt, der ihnen und ihren zukünf­ti­gen Wün­schen nicht im Wege steht. Nicht nur für das Stu­dium, auch aus pri­va­tem Inter­esse und für die pro­fes­sio­nelle Tätig­keit als Clubin­ha­ber, Grup­pen– und Per­so­nal Trai­ner habe ich die unter­schied­lichs­ten auf den ers­ten Blick gar nicht mit der The­ma­tik zusam­men­hän­gen­den Quel­len durch­ge­ar­bei­tet und die jewei­lige für mich ver­wend­bare Wis­sen­ses­senz ver­in­ner­licht. Die­je­ni­gen, die mir bis­her begeg­net und für diese Arbeit rele­vant sind, habe ich in die­ser Arbeit auf­ge­führt. Zum Teil sind es schwer in Wor­ten zu ver­mit­telnde, nicht oder nur auf­wän­dig wis­sen­schaft­lich beweis­bare, nicht in einer fest­ge­leg­ten Zeit aber von jedem zu erler­nende, jedoch nicht für den Ver­kauf und den Kon­sum geeig­nete Hin­weise auf Regeln für ein kör­per­lich, geis­tig und see­lisch erfüll­tes Leben. Regeln, mit denen sich manch­mal die Wis­sen­schaft, fast immer die Reli­gio­nen und die Eso­te­rik beschäf­ti­gen, die sich mei­ner Ansicht nach aber nur im Kon­trast, im Ver­gleich der unter­schied­li­chen Berei­che erken­nen las­sen, da sie sich in einem Bereich befin­den, der nicht mess­bar und nur sub­jek­tiv zugäng­lich ist (siehe Gra­fik).

Die Kon­zen­tra­tion auf einen oder zu wenige die­ser kon­tras­tie­ren­den Ver­glei­che macht das Erken­nen die­ser Regeln nahezu unmög­lich und erzeugt den wenig zu ver­wend­ba­rem Wis­sen füh­ren­den Auf­bau von unmög­lich in einem Leben begreif­ba­ren Wis­sens– und Infor­ma­ti­ons­vo­lu­men. Zu einem erfüll­ten Leben füh­rende Regeln müs­sen also in Form einer begreif­ba­ren, vor­leb­ba­ren Essenz vor­lie­gen. Eine Essenz, die schon seit lan­ger Zeit bekannt ist, aber fast ver­ges­sen wurde. Nicht ohne Grund befin­det sich die Sozio­lo­gie in einem body turn: Wie in der Bewe­gung und im Sport die not­wen­di­gen kör­per­li­chen und men­ta­len Vor­aus­set­zun­gen, las­sen sich diese auch für lebens­werte Gesell­schaf­ten not­wen­di­gen Bedin­gun­gen nicht kon­su­mie­ren oder anle­sen, son­dern müs­sen mit der Zeit und den Erfah­run­gen rei­fen. Mit die­ser Arbeit, setze ich für mich per­sön­lich einen grö­ße­ren Mei­len­stein hin­ter viele Jahre inten­si­ver Suche nach einer von mess­ba­ren Wer­ten unab­hän­gi­gen Bedeu­tung der Bewe­gung. Es ist kein Schluss­punkt, son­dern ein neues ‚Basis­la­ger‘ für die anschlie­ßende Umset­zung und gleich­zei­tige Erwei­te­rung der gewon­ne­nen Erkenntnisse.

One Response to Vorwort

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